Rheinland-Pfalz
Lkr. Kaiserslautern
PLZ:
67705GPS:
N 49° 20.283', O 7° 49.431'Standort:
Nördlich des Forsthauses an der B 48.Größe / Material:
126:80:18 / Sandstein (links)Geschichte:
Siedlungsplatz am Kreuzungspunkt uralter Hochstraßen - benannt nach den drei Kreuzen. Das älteste geht auf das frühe 13. Jahrhundert zurück. Hier verlief die Grenze zwischen den Leininger und Wilensteiner Herrschaften. Es wird im Weistum über die Grenze der Frankenweide 1533 erstmals erwähnt.IOHANNESKREUZ ERR SZ REN 1863 |
IOHAÑES KREUZ ERNEU- ERT 1831 KW.N 1084 |
[Wappen] |
154 [Wappen] 159 FvG TW 1833 |
[Kartusche] [HW] |
Rechtes Steinkreuz: drei Wappen, bez.: KW 1084, Sockel erneuert, links bez.: 176[0].
Sage: Quellen und Literatur:
Die Abkürzungen aus der Verwendung als Grenzstein Nr. 1084 bedeuten: KW = Königlicher Wald,
FvG = Freiherr von Gienanth'scher Wald.
Zitat aus Pfälzer Jakobswege (2003) S. 25:
"Das ursprüngliche Kreuz, wahrscheinlich als mittelalterliches Sühnezeichen für einen edlen Herrn Johannes, der hier
unerwartet aus dem Leben schied, errichtet, steht heute nicht mehr, gab aber dem Straßenknotenpunkt seinen Namen. Heute stehen
hier drei Kreuze aus verschiedenen Epochen: Kreuz aus dem 15. Jahrhundert mit dem Wappen der Herren von Hohenecken im
Schnittpunkt der Balken. 1779 stellte man ein zweites Kreuz, nach Form und Proportion dem ersten ähnlich, als Grenzstein auf.
1831 errichtet man ein 3. Kreuz auf einem hohen klassizistischen Sockel. 1863 tauschte man dieses Kreuz gegen das heute noch
vorhandene gusseiserne Kreuz, das wohl in den Gienanthschen Eisenwerken gegossen wurde."
2. Ein schwedischer General, der im 30-jährigen Krieg fiel, ist hier begraben.
3. Es ist ein altes Wetterkreuz.
4. Es ist ein Hoheitszeichen an einer Geleitstraße.
5. Es ist ein Sühnezeichen, an dem die Wappen des Getöteten und des Täters angebracht wurden.
6. Ein edler Herr Johannes fand hier einen plötzlichen und wohl gewaltsamen Tod.
• Dr. Stuhlfauth - Johanniskreuz und andere Kreuzsteine, in: Pfälzische Geschichtsblätter, 1.Jg. 1905, S.60-62 und 67-68
• Weinmann, Fred - Das Kreuz des edlen Herrn Johannes, in: Kultmale der Pfalz, Pilger-Verlag Speyer 1975, S. 21-23
= Kultmale unserer Heimat, in: Der Pilger, 122.Jg., Nr.8, S.235, 20.2.1972
• recherchiert und bebildert von Rudolf Wild, Annweiler-Queichhambach
• Pfälzer Jakobswege (2003) S. 25
Das Johanniskreuz, eines der ältesten Kreuze unseres Landes, wird schon im Jahre 1533 genannt, es ist aber
weitaus früher entstanden. Es gab dem Straßenknotenpunkt auf der pfälzischen Wasserscheide, dem heute so beliebten Wanderziel
im Pfälzer Wald, seinen Namen. Aber dieses Kreuz lag schon vor Jahrhunderten zerbrochen am Boden. Da es auf einer Grenze
stand, ersetzte man es deshalb 1769 im Vollzuge einer Grenzrenovation durch ein neues „nach Form und Bezeichnung des allda
umliegenden alten Steins". Das zweite Kreuz, ein echtes Grenzzeichen, entspricht allerdings nicht ganz nach Form und Proportion
dem ersten.
Nachdem auch dieses im Laufe der Zeiten stark beschädigt worden war, errichtete man im Jahre 1831 ein drittes Kreuz, das man
auf einen hohen klassizistischen Sockel stellte. Doch auch dieses Mal wurde vermutlich teilweise zerstört, so daß man es im Jahre
1863 gegen das heute noch vorhandene gußeiserne Kreuz austauschte, das wohl in den Gienanthschen Eisenwerken des nahen
Karlstales gegossen wurde. 1962 ließ das Landratsamt Kaiserslautern die Reste der beiden alten Kreuze ergänzen, so daß heute
drei Kreuze unter einer Baumgruppe unweit des Forsthauses beisammenstehen.
Uns interessiert vor allem das ursprüngliche Johanniskreuz. Seine lateinische Form weist oben und an den seitlichen Armen
leicht konkav geschweifte Balkenenden auf. In der Vierung, dort, wo die Kreuzbalken sich schneiden, sitzt das Wappen derer von
Hohenecken, auf den Armen aber noch drei gleiche, unbekannte Wappen. Die Schildgestalt verweist die Entstehung des Kreuzes
ins hohe Mittelalter. Deshalb entspricht auch nicht die Sage den historischen Tatsachen, die da berichtet, daß hier ein schwedischer
General, der im Dreißigjährigen Krieg gefallen sei, begraben läge.
August Becker vermutet in diesem Mal noch ein Wetterkreuz und Bilfinger will in ihm ein Hoheitszeichen erkennen; denn hier
übten die Hohenecker einst das Zoll- und Geleitsrecht aus. L. Eckrich deutet das Johanniskreuz als Sühnezeichen, auf dem das
Wappen des Getöteten und dessen, der es vertraglich setzen ließ, angebracht sind, so wie beim Torstensonkreuz bei Hochspeyer.
Es liegt nahe, anzunehmen, daß hinter dieser Wappenvereinigung die rechtliche Verpflichtung der Wiedergutmachung einer Untat
steht. Eckrich datiert das älteste der drei Kreuze ins 13. oder frühe 14. Jahrhundert.
Wie dem auch sei, wer diesen markanten Punkt im Pfälzer Wald besucht, möge hier nicht nur die weiten Wälder durchstreifen
und in altrenommierten Gaststätten rasten, er möge auch einen Blick auf jene drei Kreuze werfen, in deren Nähe einst ein edler Herr
Johannes von einem plötzlichen, vermutlich gewaltsamen Tod überrascht wurde.
(Text und Fotos: Fred Weinmann in: Kultmale der Pfalz, Pilger-Verlag Speyer 1975, S. 21-23
= Kultmale unserer Heimat, in: Der Pilger, 122.Jg., Nr.8, S.235, 20.2.1972)
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