Deutschland Baden-Württemberg Neckar-Odenwald-Kreis

Rumpfen (I / II) / OT von Mudau
Zur Einzelansicht die Steinkreuze anklicken.

Rumpfen I Rumpfen II

Abbildung bei
Walter (1923)

PLZ: 69427

GPS: N 49° 32,045', O 9° 15,222'

Standort: An der Straßenkreuzung Unterneudorf - Rumpfen und Steinbach - Oberneudorf, bei einem steinernen Bildstock, im Gewann "Drei Kreuze".

Geschichte: Max Walter, 1923: "Zusammenhänge zwischen Steinkreuz und Seelenleben der Bewohner treten zutage, wenn wir die Weggenossen der Kreuze betrachten, die oft mit ihnen Platz und Geschick teilen. Da ist einmal der Bildstock, der nächste Verwandte des Steinkreuzes. Zwischen den beiden Kreuzen bei Rumpfen liegt auf dem in den Boden eingelassenen Sockel der abgebrochene Kopf eines Bildstocks*). Die oben dachförmige Bildnische enthält in Relief Jesu am Kreuz mit Maria und Johannes zu beiden Seiten. Fast ist man versucht, auch in dieser Zusammenstellung von Kreuz und Bildstock die Wiedergabe der Dreizahl als Endzweck der Anlage anzusehen. Es besteht aber die Wahrscheinlichkeit, daß alle drei Denkmäler aus verschiedenen Zeiten stammen, ihr gewordener Bestand also nicht ursprüngliche Absicht war."
*) Es handelt sich nicht um ein drittes, zerbrochenes Steinkreuz, wie v. Oechelhaeuser, Kunstdenkmäler Buchen, S.92, angibt.

Sage: 1. Die Schäfer von Steinbach, Hollerbach und Unterneudorf bekamen einst Streit wegen der Weide. Von einem in der Nähe stehenden alten Holzpflug wurde das Sech abgemacht, und damit schlugen sie aufeinander los, daß zwei sofort auf dem Platz blieben (Steinbacher Weg - Buchener Straße), der dritte aber am Weg nach Steinbach liegen blieb. (Aufzeichnung von Max Walter, zitiert nach Assion, 1972)

2. Die Sage ist offenbar nach dem gleichen Muster "gestrickt" wie die zu den Kreuzen in Robern (I - III).
Bei Hans Schweizer: Sagen und Volksbräuche in Baden, Monographie einer Landschaft 5, 1953, Nr.6, S.36 findet man den Zusatz: "Vor einigen Jahren will noch eine alte Frau in der Walpurgisnacht in der Nähe der Steinkreuze blutüberströmte Männer in heftigem Händel und mit hocherhobenen Hirtenstöcken gesehen haben".

3. Vor Jahren hatten vier Schäferburschen bei Hollerbach ihren Pferch aufgeschlagen. Im nahen Steinbach war "Kerwe"(=Kirchweih), und auch vier Schäfer gingen hin zum Tanz. Dort trafen sie ein schönes Mädchen, das aber ein "Luder" war und gleich mit allen vieren anbändelte. Es dauerte nicht lange, und die Burschen waren aufeinander eifersüchtig. Als sie spät in der Nacht heimwärts gingen, gerieten sie darüber in Streit, welchem von den vieren das Mädchen am schönsten getan hätte. Sie fielen übereinander her und schlugen sich, bis drei tot liegenblieben. Der vierte schleppte sich noch hundert Meter weiter gegen Hollerbach zu. Doch dann war auch er tot. Zur Erinnerung an diesen Vorfall errichtete man dort, wo man am anderen Tag die Leichen gefunden hatte, die "Schäferkreuze".

Quellen und Literatur:
Assion, Peter, 1972, S.130, Nr.101 – Eine Schlägerei zwischen Schäfern wurde 1685 gerichtskundig
Peter Assion u.a.: Das pfälzisch-fränkische Sagenbuch, 1983, Ziff.375
Walter, Max - Vom Steinkreuz zum Bildstock, 1923, S.7 und 11
Losch, Bernhard - Sühne und Gedenken. Steinkreuze in Baden-Württemberg, Stuttgart 1981, S.168f.
Azzola u.a. - Dolch, Schwert und Spieß als Steinkreuzzeichen im hinteren Odenwald, 1976, S.56
Bormuth / Azzola - Die figürlichen Darstellungen dreier Odenwälder Steinkreuze in denkmalkundlicher Sicht, in: Beiträge zur Erforschung des Odenwaldes 1972, S.55-65
v. Oechelhaeuser, Kunstdenkmäler Buchen, S.92
Slama, Hans - Flurkreuze der Gemarkung Mudau, in: Heimatbuch "900 Jahre Mudauer Odenwald“, 2003
Heimat- und Verkehrsvereins Mudau e.V.
Recherche, Wegbeschreibung, aktuelle Infos und Aufnahme von Leopold Hessek, Mosbach
zusammengestellt und bearbeitet von Rudolf Wild, Annweiler-Queichhambach



Rumpfen (I) / OT von Mudau
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Abbildung bei
Losch (1981)

Abbildung bei
Azzola (1976)

Größe / Material: 140:76:18 / Sandstein

Geschichte: Das Steinkreuz von ähnlicher Form wie das Kreuz in Eberbach, nur schlichter. Groß ausgerundete Winkel. Verbreiterte und dreifach eingekerbte bzw. gerundete Balkenenden. Leichte Kantenabschrägung, die am Ende des hohen, parallel-kantigen Schaftes ausläuft. Kopfhöhe und Längsbalkenansicht betont. Großes, parallelkantiges Kreuzreliefetwas innerhalb der Kreuzkonturen. In der oberen Schafthälfte des Reliefs ist ein 37cm langes Messer eingeritzt. Datierung: ca. 16. Jh.

Sage: siehe oben



Rumpfen (II) / OT von Mudau
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Zeichnung bei
Walter (1923)

Abbildung bei
Losch (1981)

Größe / Material: 120:78:17 / Sandstein

Geschichte: Wird hier "Hirtenkreuz" genannt. Datierung: ca. 16./17. Jh. Von einfachster Ausführung und roherer Arbeit. Auf der Vorderseite eingeritzt die Umrisse einer menschlichen Figur mit waagrecht ausgestreckten Armen. Sehr unbeholfene Darstellung. Länge der Figur 51cm.

Max Walter zu den bildlichen Darstellungen auf den Kreuzen: "Es ist oft schwer, den dargestellten Gegenstand unbestreitbar festzulegen. Der Steinmetz war kein Bildhauer, niemand nahm ihm übel, wenn das Vorbild verzerrt wiedergegeben war. Man wußte ja, was er darstellen wollte, und begnügte sich mit dem guten Willen. Manche, vielleicht lokale Werkzeugform ist ausgestorben und uns eine Rätselnuß geworden [...]
Vielleicht war es der Einfluß der christlichen Kirche, vielleicht aber auch die Wandlung im Zweck der Steinkreuze, die dazu führten, das Kreuz selbst zum Kruzifix zu verstärken.[...], und wir werden kaum fehlgehen, auch in der äußerst notdürftigen Wiedergabe eines Mannes auf dem Kreuz in Rumpfen das Bild des gekreuzigten Heilandes zu erkennen."

Friedrich Karl Azzola und Heinz Bormuth haben die Figur beim rechten Kreuz als Hirtendarstellung gedeutet: "[...] menschliche Figur mit geschwungenem Stab (Ringelstecken) [...]"

Sage: siehe oben



Rumpfen (III) / OT von Mudau


Abbildung bei
Azzola (1980)

GPS: N 49° 32,235', O 9° 14,833'

Standort: Links an der Straße nach Steinbach an einer Wegkreuzung.

Größe / Material: 160:120:26 / Sandstein

Geschichte: Ein Kreuz am Weg nach Steinbach, dem "Hollerweg", nordöstlich vom Dorf. Gute Arbeit, wuchtig. Auf der unteren Hälfte des Längsbalkens der Abdruck eines linken Fußes, 28cm lang, Fußspitze nach oben; darunter Pflugschar (?), 24cm lang, 12cm breit. Mit "Fuß" ist eine Schuhsohle gemeint. Datierung: ca. 16. Jh.

Das mit 1,62m Höhe bemerkenswert mächtige Steinkreuz zeigt auf der Vorderseite unten die beiden Zeichen Sohle - also nicht einen Fußabdruck - und Pflugschar. Da man beide Zeichen auf den Menschen beziehen muß, zu dessen Gedenken einst das Kreuz errichtet wurde, geht man nicht fehl, auf einen dörflichen Schuhmacher zu schließen, der neben seinem Handwerk auch noch Landwirtschaft betrieb. Auf Grund der Mächtigkeit des Denkmals muß es eine wohlhabende Familie gewesen sein. (Azzola / Bormuth / Haas 1980)

Sage: Ein Schäfer soll an der Stelle seinen Verwundungen erlegen sein, siehe Rumpfen (I / II).

Quellen und Literatur:
Walter, Max - Vom Steinkreuz zum Bildstock, 1923, S.6 und 14
Azzola / Bormuth / Haas - Überregionale Entwicklungszüge historischer Schusterzeichen auf Kleindenkmalen, in: Beiträge zur Erforschung des Odenwaldes und seiner Randlandschaften, Breuberg 1980, S.371
Losch, Bernhard - Sühne und Gedenken. Steinkreuze in Baden-Württemberg, Stuttgart 1981, S.168
Slama, Hans - Flurkreuze der Gemarkung Mudau, in: Heimatbuch "900 Jahre Mudauer Odenwald“, 2003
Heimat- und Verkehrsvereins Mudau e.V.
Recherche, Wegbeschreibung, aktuelle Infos und Aufnahme von Leopold Hessek, Mosbach
zusammengestellt und bearbeitet von Rudolf Wild, Annweiler-Queichhambach



Rumpfen (IV) / OT von Mudau


Abbildung bei
Losch (1981)

Detail der
Dolcheinzeichnung

GPS: N 49° 31,743', O 9° 15,394'

Standort: Am "Kirchenweg" nach Hollerbach, unter Nadelbäumen.

Größe / Material: 170:105:22 / Sandstein

Geschichte: Lange Balken. Auf der Rückseite Dolch oder kurzes Schwert mit Knauf und Parierstange im Kopfbalken. Inschrift: 1655 (nach Losch 1981); Walter (1923) liest 1652.

Sage: Ein Schäfer soll an der Stelle seinen Verletzungen erlegen sein - siehe Rumpfen (I / II).

Quellen und Literatur:
Walter, Max - Vom Steinkreuz zum Bildstock, 1923
Losch, Bernhard - Sühne und Gedenken. Steinkreuze in Baden-Württemberg, Stuttgart 1981, S.168
Slama, Hans - Flurkreuze der Gemarkung Mudau, in: Heimatbuch "900 Jahre Mudauer Odenwald“, 2003
Heimat- und Verkehrsvereins Mudau e.V.
Recherche, Wegbeschreibung, aktuelle Infos und Aufnahme von Leopold Hessek, Mosbach
zusammengestellt und bearbeitet von Rudolf Wild, Annweiler-Queichhambach


Sühnekreuze & Mordsteine