Deutschland Bayern Kreisfreie Stadt Nürnberg

Neunhof (I - V) / OT von Nürnberg
Zur Einzelansicht die Steinkreuze anklicken.

Neunhof I Neunhof II Neunhof III Neunhof IV Neunhof V

Titelbild der
Steinkreuzforschung
(1989)

Abbildung bei
Schmeissner (1989)

Abbildung bei
Funk (1940)

Abbildung in:
“Der deutsche
Landwirt“ (1938)

Künstler-AK von
Johannes Seiler
(1871-1948)

Zustand 1914
veröffentlicht bei
Zettler (1960) und
Wittmann (1967)

PLZ: 90427

GPS: siehe Einzelangaben

Standort: Die Gruppe steht am südlichen Ortsende von Neunhof, wo die "Obere Dorfstraße" in die "Kraftshofer Hauptstraße" übergeht, am linken (östlichen) Straßenrand in einer kleinen Grünanlage. Die Gruppe besteht Gruppe aus vier Steinkreuzen und einer Martersäule.

Geschichte: Wie durch einen hoch betagten Augenzeugen vor Jahren belegt werden konnte, ist die Gruppe nicht gemeinsam entstanden. Die beiden nördlichen etwas abgerückt stehenden Steinkreuze sind erst in späterer Zeit hinzugefügt worden. Das Steinkreuz ganz links stand ursprünglich rund 500 Meter weiter östlich an einem Feldweg, der noch heute bei dem "Steinkreuznest" die Obere Dorfstraße quert. Der Standort des zweiten Steinkreuzes befand sich etwa 50 Meter südlich vom Neunhofer Schlösschen inmitten der Flur. Die Umgruppierung erfolgte erst um 1896/99, als der Feldweg verbreitert und befestigt wurde. [...]
Im Jahre 1906 restaurierte man die stark verfallene Gruppe. Bei dieser Gelegenheit stieß man in geringer Tiefe auf das Skelett eines großen Mannes, dessen einer Arm wie zum Schutz der Augen über den Kopf gelegt war. In nächster Nähe lag ein großes Messer.
Im Volksmund heißt die Gruppe "Die dreißig Pfarrherren". Die Sage will wissen, dass hier während des Bauernkrieges dreißig katholische Pfarrherren von den aufrührerischen Bauern hingerichtet wurden. Einer anderen Geschichte zufolge bezeichnet der Bildstock mit den Steinkreuzen den Ort eines Soldatengrabs aus dem Dreißigjährigen Krieg.
In früheren Zeiten erwartete der Kraftshofer Pfarrer bei dem Flurdenkmal den von auswärts kommenden Leichenzug und geleitete ihn unter Glockengeläut zum Friedhof. Noch lange soll sich der Brauch gehalten haben, dass Bauern vor der Martersäule der Hut zogen.
Im Jahr 1958 setzte der Heimat- und Volkstrachtenverein Neunhof die Gruppe instand. [...] (Rusam 2012)

Die wohl interessanteste Flurdenkmalgruppe des "Knoblauchslandes" dürfte diejenige am Ortsausgang von Neunhof in Richtung Kraftshof sein. Hier stehen drei Steinkreuze aus Sandstein (ein viertes ist wieder einmal in Reparatur) in einer kleinen Parkanlage zusammen mit einer Sandsteinmarter aus dem mittleren 15.Jahrhundert. Während die Steinkreuze roh und plump zubehauen sind, nimmt sich dagegen die Neunhofer Marter wie ein Juwel aus. Im Aufsatz, der durch ein Satteldach gekrönt wird, finden wir die zwar schon stark verwitterten, aber dennoch nicht minder eindrucksvollen Reliefs der Gregoriusmesse, der Kreuzigungsgruppe und eines Heiligen vor. Vieles deutet darauf hin, daß zumindest eine Totschlagsühne in Neunhof lokalisiert werden kann. 1950 publizierte Studienrat Sprung aus Poppenreuth einen Aufsatz, in dem eine Totschlagsühne ausführlich zitiert wird und die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Neunhofer Marter mit den sie umgebenden Steinkreuzen zutrifft. Demnach wäre sie 1435 als Sühne für einen Totschlag an einem angesehenen Kraftshofer Bauern aufgestellt worden. (Schmeissner 1989)

Am südlichen Eingang des Ortes ein Steinkreuznest von vier Kreuzen und einer Martrrsäule. Im Volksmund die dreißig Pfarrherrn genannt. (Nach Gärtner) wurde die Gruppe 1906, da sie sehr stark verfallen war, wieder instand gesetzt, wobei man in geringer Tiefe auf ein menschliches Gerippe stieß, das von einem großen, sehr starken Manne hergerührt haben muß. Der eine Arm war wie zum Schutze der Augen über den Kopf gelegt.) Die Marter ist 200x60x60cm. Auf dem Tabernakel ein Satteldach. Auf der Südseite Maria und Johannes unter dem Kreuze. Auf der Westseite eine Heiligenfigur unter goth. Maßwerk jedoch stark verwittert, daß man die Figur nicht mehr erkennen kann. Auf der Nordseite eine Gregoriusmesse. Neben dem Bildstock sind vier Steinkreuze.
1. von links 150x120x28cm mit Armstützen, der untere Teil etwas länger.
2. 135x105x36cm ohne Armstützen steht auf einem kleinen Sockel.
3. 150x110x34cm, es ist derselbe Typus wie die zwei ersten, nur wird der untere Teil etwas länger.
4. 118x90x29cm. Es steht südlich der Marter, ist noch starker verwittert. Alle vier Kreuze sind ohne Schmuck und Zeichen. 1958 wurde die Gruppe erneut von dem Trachten- und Heimatverein Neunhof instand gesetzt und mit einer kleinen Anlage umgeben. Studienrat Sprung hat bei seinen Forschungsarbeiten über die Siedlungsgeschichte des Knoblauchslanndes einen Sühnevertrag aus dem Jahre 1433-1436 gefunden.
   Der Erschlagene hieß H. Morder und stammte aus Kraftshof. 1429 wird H. Morder als zinspflichtiger Bauer von Kraftshof in dem Mendelschen Waldbuch genannt. Der Todschläger Heinz Ringmann ist noch im Jahre 1449 als Bauer auf einem Halbhof in Neunhof hinter dem Cuntz Imhoff als Eigenherr ansäßig.
   "...für die puhs des totslags richten und bezalen sullen / zum ersten 50 sclmehs dy sullcn sy lahsen lesen in den vier orden mit Sebolt Morders wissen / und ½ zentner wachs und ein stainene Marter in mahse sol sein als die auf dem Tyrgarten und die pesserung der marter so sten als die vier erkennen / und eine Romfarty vollbracht sol werden zu Rom und nicht neher / und zwo Achtfert und 10fl. darinne begern ay gnad / wenn er aber in die Ach fert... (unleserlich) in den ersten Fuhstritt kumt oder in die Romfart und dorinne abging von tods wegen / so sollen dy purgen ledig sein. Datum: Judica .... feria ante Gregorii 1435 (=11.März)." (Zettler 1960)

Sage: 1. Hier sollen während des Bauernkrieges dreißig katholische Pfarrherren von den aufrührerischen Bauern hingerichtet worden sein.
2. Es soll sich um ein Soldatengrab aus dem Dreißigjährigen Krieg handeln.

Quellen und Literatur:
Hühnermann, W. - Steinkreuze und Martersäulen in Nürnbergs Umgebung, in: Deutsche Gaue, Bd.12, 1911, S.210-217
o.A. - Alte deutsche Rechtsdenkmäler und Bauernweistümer, in: Der deutsche Landwirt, Organ des Deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Zentralverbandes für Böhmen, 57.Jahrgang, 16.Juni 1938
Funk, Wilhelm - Sühnestein und Erinnerungsmal, in: Alte deutsche Rechtsmale - Sinnbilder und Zeugen deutscher Geschichte, 1940, S.80-86 und Abb.49
Sprung, Werner - Drei Totschlagssühnen im Nürnberger Knoblauchsland, in: Das Steinkreuz, 1950, Heft 1/2, S.5-7
Sprung, Werner - Flurdenkmäler im Knoblauchsland und in der näheren Umgebung Nürnbergs, in: Das Steinkreuz, 1950, Heft 1/2, S.44
Zettler, Franz - Die Flurdenkmale des Stadt- und Landkreises Fürth, Mitteilungsblätter der Deutschen Steinkreuzforschung, Jahrgang 16, 1960, Heft 1/2, S.17-18, Nr.36
Wittmann, Leonhard - Steinkreuze in Franken. Begleitheft zu Ausstellung der Stadtbibliothek Nürnberg, 1967
Schmeissner, Rainer H. - Einiges über Flurdenkmäler im Nürnberger Knoblauchsland, in: Steinkreuzforschung, Sammelband Nr.16 (NF 1), 1989, S.50-54
Rusam, Hermann - Bekannte Martersäule von Neunhof, in: Nürnberger Zeitung vom 24.01.2012
recherchiert und bebildert von Paul Basler, Schwarzenbach / Saale (Fotos von August 2008)



Neunhof (I) / OT von Nürnberg
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GPS: N 49° 30,976', O 11° 2,906'

Größe / Material: Sandstein

Geschichte: Das Steinkreuz ist das nördlichste der Gruppe. Der Stein weist viele kleine Löcher an der Vorderseite auf; weiter ruht der Querbalken auf abgerundeten Tragstützen. Unterhalb der Stützen ist eine Bruchstelle fachmännisch restauriert.

Sage:

Quellen und Literatur:
Hühnermann, W. - Steinkreuze und Martersäulen in Nürnbergs Umgebung, in: Deutsche Gaue, Bd.12, 1911, S.210-217
o.A. - Alte deutsche Rechtsdenkmäler und Bauernweistümer, in: Der deutsche Landwirt, Organ des Deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Zentralverbandes für Böhmen, 57.Jahrgang, 16.Juni 1938
Funk, Wilhelm - Sühnestein und Erinnerungsmal, in: Alte deutsche Rechtsmale - Sinnbilder und Zeugen deutscher Geschichte, 1940, S.80-86 und Abb.49
Zettler, Franz - Die Flurdenkmale des Stadt- und Landkreises Fürth, Mitteilungsblätter der Deutschen Steinkreuzforschung, Jahrgang 16, 1960, Heft 1/2, S.17-18, Nr.36
Schmeissner, Rainer H. - Einiges über Flurdenkmäler im Nürnberger Knoblauchsland, in: Steinkreuzforschung, Sammelband Nr.16 (NF 1), 1989, S.50-54
Rusam, Hermann - Bekannte Martersäule von Neunhof, in: Nürnberger Zeitung vom 24.01.2012



Neunhof (II) / OT von Nürnberg
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GPS: N 49° 30,975', O 11° 2,905'

Größe / Material: Sandstein

Geschichte: Das Steinkreuz ist das zweite - von Norden her. Die Seitenarme sind nach außen hin oben abgerundet; es entsteht der Eindruck "hängender Flügel".

Sage:

Quellen und Literatur:
Hühnermann, W. - Steinkreuze und Martersäulen in Nürnbergs Umgebung, in: Deutsche Gaue, Bd.12, 1911, S.210-217
o.A. - Alte deutsche Rechtsdenkmäler und Bauernweistümer, in: Der deutsche Landwirt, Organ des Deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Zentralverbandes für Böhmen, 57.Jahrgang, 16.Juni 1938
Funk, Wilhelm - Sühnestein und Erinnerungsmal, in: Alte deutsche Rechtsmale - Sinnbilder und Zeugen deutscher Geschichte, 1940, S.80-86 und Abb.49
Zettler, Franz - Die Flurdenkmale des Stadt- und Landkreises Fürth, Mitteilungsblätter der Deutschen Steinkreuzforschung, Jahrgang 16, 1960, Heft 1/2, S.17-18, Nr.36
Schmeissner, Rainer H. - Einiges über Flurdenkmäler im Nürnberger Knoblauchsland, in: Steinkreuzforschung, Sammelband Nr.16 (NF 1), 1989, S.50-54
Rusam, Hermann - Bekannte Martersäule von Neunhof, in: Nürnberger Zeitung vom 24.01.2012



Neunhof (III) / OT von Nürnberg
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GPS: N 49° 30,974', O 11° 2,902'

Größe / Material: Sandstein

Geschichte: Das Steinkreuz ist das dritte - von Norden her. Dieses Steinkreuz ist am besten erhalten und zeigt eine wuchtige Kreuzform. Der linke Seitenarme wird nach außen hin schmäler, der rechte weist eine bestens restaurierte Bruchstelle auf.

Sage:

Quellen und Literatur:
Hühnermann, W. - Steinkreuze und Martersäulen in Nürnbergs Umgebung, in: Deutsche Gaue, Bd.12, 1911, S.210-217
o.A. - Alte deutsche Rechtsdenkmäler und Bauernweistümer, in: Der deutsche Landwirt, Organ des Deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Zentralverbandes für Böhmen, 57.Jahrgang, 16.Juni 1938
Funk, Wilhelm - Sühnestein und Erinnerungsmal, in: Alte deutsche Rechtsmale - Sinnbilder und Zeugen deutscher Geschichte, 1940, S.80-86 und Abb.49
Zettler, Franz - Die Flurdenkmale des Stadt- und Landkreises Fürth, Mitteilungsblätter der Deutschen Steinkreuzforschung, Jahrgang 16, 1960, Heft 1/2, S.17-18, Nr.36
Schmeissner, Rainer H. - Einiges über Flurdenkmäler im Nürnberger Knoblauchsland, in: Steinkreuzforschung, Sammelband Nr.16 (NF 1), 1989, S.50-54
Rusam, Hermann - Bekannte Martersäule von Neunhof, in: Nürnberger Zeitung vom 24.01.2012



Neunhof (IV) / OT von Nürnberg
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GPS: N 49° 30,971', O 11° 2,901'

Größe / Material: Sandstein

Geschichte: Das Steinkreuz ist das südlichste einer Gruppe. Das Steinkreuz weist einen sich nach oben etwas verbreiternden Kopf auf; außerdem sind die Seitenarme wieder oben etwas abgerundet.

Sage:

Quellen und Literatur:
Hühnermann, W. - Steinkreuze und Martersäulen in Nürnbergs Umgebung, in: Deutsche Gaue, Bd.12, 1911, S.210-217
o.A. - Alte deutsche Rechtsdenkmäler und Bauernweistümer, in: Der deutsche Landwirt, Organ des Deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Zentralverbandes für Böhmen, 57.Jahrgang, 16.Juni 1938
Funk, Wilhelm - Sühnestein und Erinnerungsmal, in: Alte deutsche Rechtsmale - Sinnbilder und Zeugen deutscher Geschichte, 1940, S.80-86 und Abb.49
Zettler, Franz - Die Flurdenkmale des Stadt- und Landkreises Fürth, Mitteilungsblätter der Deutschen Steinkreuzforschung, Jahrgang 16, 1960, Heft 1/2, S.17-18, Nr.36
Schmeissner, Rainer H. - Einiges über Flurdenkmäler im Nürnberger Knoblauchsland, in: Steinkreuzforschung, Sammelband Nr.16 (NF 1), 1989, S.50-54
Rusam, Hermann - Bekannte Martersäule von Neunhof, in: Nürnberger Zeitung vom 24.01.2012



Neunhof (V) / OT von Nürnberg
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Detail Bildrelief

Abbildung bei
Sprung (1950)

GPS: N 49° 30,973', O 11° 2,902'

Größe / Material: 200:60:60 / Sandstein

Geschichte: Die Säule ist der zweite Stein von Süden her. Auf einer Sandsteinsäule aus vier Quadern ruht ein mit einem Satteldach abgeschlossener Bildreliefaufsatz.

Die Südseite des Tabernakels zeigt ein verwittertes Relief mit Maria und Johannes unter dem Kreuz, die Nordseite zeigt die Gregoriusmesse mit dem Schweißtuch der Veronika. Während die Ostseite der Ädikula leer bleibt, erkennt man in einer gotischen Spitzbogenblende auf der Westseite noch die unscharfen Umrisse des heiligen Leonhard, des Nothelfers für Pferde.
Wissenschaftlich bedeutsam wird die Neunhofer Marter dadurch, dass sie als das älteste Flurdenkmal in der Gegend rund um Nürnberg gilt, für das mit großer Wahrscheinlichkeit ein urkundlicher Beleg gefunden wurde. In einem Wöhrder Gerichtsbuch des "Amtes der Vesten" aus den Jahren 1433 bis 1436 ist ein alter Sühnevertrag verzeichnet, dem ein Totschlag im Knoblauchsland vorausgegangen war. Beim Totschläger handelte es sich um Heinz Ringmann aus Neunhof, sein Opfer war Hans Morder, ein Bauer aus Kraftshof. [...]
Obwohl im Vertrag der Platz für die Martersäule nicht ausdrücklich genannt wurde, darf doch auf Grundder Lokalisierung der Beteiligten angenommen werden, dass es die Neunhofer Marter ist, die - anstatt eines sonst üblichen Steinkreuzes - um 1435 als Sühnemal gesetzt wurde.
Wenig Beachtung hat bisher ein auf der Ostseite der Marter in halber Höhe eingeritztes etwa 40 Zentimeter langes Zeichen gefunden, das wie eine nach oben gerichtete Speerspitze aussieht. Es handelt sich um einen auch von anderen Orten bekannten Handwerkerzinken böhmischer Hafner, mit dem die Treffpunkte der auf der Walz wandernden Handwerksburschen markiert wurden. [...] (Rusam 2012)

[...] Die Marter ist 200x60x60cm. Auf dem Tabernakel ein Satteldach. Auf der Südseite Maria und Johannes unter dem Kreuze. Auf der Westseite eine Heiligenfigur unter goth. Maßwerk jedoch stark verwittert, daß man die Figur nicht mehr erkennen kann. Auf der Nordseite eine Gregoriusmesse. Neben dem Bildstock sind vier Steinkreuze. (Zettler 1960)

   [...] Bei den Vorarbeiten zu einer Siedlungsgeschichte des Knoblauchlandes brachte mir ein glücklicher Zufall einiges Material in die Hände. Zunächst einen Sühnevertrag in einem alten Wöhrder Gerichtsbuch des Amtes der Vesten aus den Jahren 1433-1436 (Staatsarchiv Nürnberg S I L 112 Nr.3). Der damalige Richter des Vestenamtes ist Ulrich Volland, die Aufzeichnungen sind knapp, stichworthaft gehalten und erinnern lebhaft an moderne Gerichtsstenographie:
   f. 170 R. "Se Morder ad Hofel Byschoff pro 50 Pfd Wachs, 50 seelmes und umb ein stainen kreutz et pro 10 fl. 1½ Pfg. und ob er das langen wollt so ziech er sich des an taydingsleut / ist ert(eilt) daz man dy taydingsleut dorumb sagen auf bed teyl an acht tagen.
   Datum: Judicia ... die Lucie virginis anno 1434 (= 13.Dez.) am Rande: In vigiliä Thomä (= 21.Dez.) ist geschoben auf den Montag nach scolastice Virginis (= 10.Februar)."
   f. 176 R. "H. Craftzhofer C. Roßlayb H. Hafler u(d) C. Flaischmann haben gesagt auf ir ayd das sy ausgesprochen haben von (Morder von Craftshof durchstr.) des totschlags wegen den Heintz Ringman an H. Morder begangen hat also das H. Ringmans purgen mit namen Hofel Byschof, Fritz Byschof von Neuenhof und Cuntz Byschof von Snyglingen für die puß des totslags richten und bezalen sullen / zum ersten 50 selmeß dy sullen sy laßen lesen in den vier orden mit Sebolt Morders wissen / und ½ zenntner wachs / und ein stainene Marter in maße die marter (als durchstr.) sol sein als die au ff dem Tyrgarten und die pesserung der marter sol sten als dy vier erkennen / und ein Romfart dy vollbracht sol werden zu Rom und nicht neher / und zwo Achfert / und 10 fl. darinne begern sy gnad / wenn er aber in die Ach fert ... (unleserlich) in den ersten Fußtritt kumt oder in die Romfart und dorinne abging von tods wegen / so solten dy purgen ledig sein. Das solt gesehen in dreyen jaren. Die teyding ist geschehn zu Weyhnachten Anno (14)32. Dy sag sol den purgen kein schaden bringen in 14 tagen als ist erteilt worden.
   Datum: Judicia ... die Anthony anno 1435."
   f. 199 R. "Se Morder ist ert(eilt) worden auf Hofel Byschoff dy brief zu erhören und danach sullen dy taydingsleut dorauf aussprechen in 14 tagen.
   Datum: Judicia ... sec. ante kathedra Petri 1435 (= 20.Febr.), am Rande: Schub."
   f. 201 R. "Se Morder ist ert(eilt) worden daz im dy purgen ein genügen tun sollen nach dem als dy vier taydingsleut aussprechen und erkennen, darauf ist im sein vollung zu gesehen.
   Datum: Judicia ... feria ante Gregorii 1435 (= 11.März), am Rande: Vollung." (rechtskräftiges Urteil.)
   f. 286 R. "Se Morder ad Hofel Byschof pro 1 Romfart u 2 Achfert pro 10 flor. und ein steinene Marter in maß ut Liber dt. (= dedit?) 2 fl. Pfg. ist geschoben ad ferias sec. p. Andreas ... dapno (= 30.Nov.).
   Datum: Judicia ... feria ante Kunigundis in der Vasten, am Rande: ist ert(eilf) rieht er sich nicht bei scheynder sunden so sol der Morder sein vollung schr(eiben?). Am Rande: Feria post Hadriani" (= 5.März).
   Soweit der Text im Gerichtsbuch. Anscheinend ist der Handel, wie der letzte Eintrag zeigt, noch nicht ganz beigelegt. Die Sühnebedingungen sind uns aus ähnlichen Verträgen an anderen Orten bekannt, sind aber für den Totschläger recht hart. Daher dürfen wir schon daraus schließen, daß der Erschlagene ein angesehener Mann war. Wo die Marter, die nur im ersten Verhandlungsprotokoll als Steinkreuz bezeichnet wird, stehen soll, bestimmen die Teidingsleute, der Platz wird jedoch nicht genannt. Daher müssen wir auf andere Weise versuchen, die örtlichkeit festzustellen. Wer sind die Personen, woher stammen sie?
   Der Erschlagene heißt H. Morder und stammt aus Kraftshof, wie aus dem durchstrichenen Textteil zu ersehen ist. Bereits im Jahre 1429 finden wir den Hans Morder als zinspflichtigen Bauern aus Kraftshof in dem Mendelschen Waldbuch genannt. Der Kläger Sebolt Morder wird ein nächster Verwandter sein. In den Wehrlisten der Nürnberger Bauernschaft (Staatsarchiv Nürnberg. Amts- und Standbücher Nr.114) vom Jahre 1442 und 1449 finden wir ihn sogar als obersten Hauptmann der Wehrhauptmannschaft Kraftshof. Fast alle der genannten Teidingsleute finden wir in diesen Wehrlisten als angesehene Bauern, ja zumeist als Dorfhauptleute der um Kraftshof liegenden Dörfer des Knoblauchlandes wieder.
   Der Totschläger Heintz Ringman ist noch im Jahre 1449 als Bauer auf einem Halbhof in Neunhof hinter dem Cuntz Imhof als Eigenherrn ansässig. Auffällig ist die Bürgschaft der drei Bischöfe für ihn, so daß hier mit Recht eine Verwandtschaft vermutet werden darf. Diese Bischöfe sind alle miteinander verwandt, wie aus einer anderen Stelle in unserem Gerichtsbuch zu ersehen ist. Außer diesen, die in Neunhof, Schniegling und Braunsbach ansässig sind, gibt es noch Bischöfe in Schnepfenreuth, Höfles, Lohe und Thon, alle auf stattlichen Höfen sitzend.
   Mit der Lokalisierung der beteiligten Personen ist uns aber auch schon ein Anhalt für den Platz der Marter gegeben: Der Weg zwischen den beiden Dörfern Kraftshof und Neunhof. Mitten auf der Grenze zwischen beiden, die auch die Bezirksamtsgrenze ist, steht heute noch die Marter mit den vier Kreuzsteinen. Einen weiteren Anhalt haben wir in der Bestimmung des Sühnevertrages vor uns, worin die Marter vor dem Tiergarten als Vorbild dienen soll. In späterer Zeit wird diese Marter auch mit dem Namen "Die sieben Keuze an der Bamberger Straße" bezeichnet. Ihr heutiger Platz wäre bei der Platnersanlage an der Bucher Straße zu suchen. Da sie jedoch schon zu Anfang des 19.Jahrh. abgegangen ist, sind wir auf Darstellungen älterer Kartenwerke angewiesen. Meist wird sie schematisch ihrem Namen entsprechend durch eine Reihe von Kreuzen dargestellt. Jedoch besitzen wir aus dem Jahre 1559 von einem H. W. eine Karte der Nürnberger Landschaft (Abbildung bei L. Wittmann "Alte Landkarten der Franken", Mappe I. Blatt 1), auf der sich unsere Marter umgeben von je zwei Steinkreuzen befindet. Der Vergleich mit dem Aussehen der heutigen Kraftshöfer Marter mit den vier Kreuzsteinen drängt sich hier einem dabei geradezu auf.
   Zusammenfassend darf daher wohl mit einem hohen Grad von Wahrscheinlichkeit gesagt werden, daß die Kraftshöfer Marter mit den Kreuzsteinen zusammen um das Jahr 1435 als Sühne für einen Totschlag an einem angesehenen Kraftshöfer Bauern errichtet worden ist. (Sprung 1950)

Sage:

Quellen und Literatur:
Hühnermann, W. - Steinkreuze und Martersäulen in Nürnbergs Umgebung, in: Deutsche Gaue, Bd.12, 1911, S.210-217
o.A. - Alte deutsche Rechtsdenkmäler und Bauernweistümer, in: Der deutsche Landwirt, Organ des Deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Zentralverbandes für Böhmen, 57.Jahrgang, 16.Juni 1938
Funk, Wilhelm - Sühnestein und Erinnerungsmal, in: Alte deutsche Rechtsmale - Sinnbilder und Zeugen deutscher Geschichte, 1940, S.80-86 und Abb.49
Sprung, Werner - Drei Totschlagssühnen im Nürnberger Knoblauchsland, in: Das Steinkreuz, 1950, Heft 1/2, S.5-7
Zettler, Franz - Die Flurdenkmale des Stadt- und Landkreises Fürth, Mitteilungsblätter der Deutschen Steinkreuzforschung, Jahrgang 16, 1960, Heft 1/2, S.17-18, Nr.36
Schmeissner, Rainer H. - Einiges über Flurdenkmäler im Nürnberger Knoblauchsland, in: Steinkreuzforschung, Sammelband Nr.16 (NF 1), 1989, S.50-54
Rusam, Hermann - Bekannte Martersäule von Neunhof, in: Nürnberger Zeitung vom 24.01.2012



Neunhof (VI) / OT von Nürnberg


Abbildung bei
Zettler (1960)

Skizze bei
Funk (1940)

Künstler-AK von
Johannes Seiler
(1871-1948)

GPS: N 49° 31,393', O 11° 3,103'

Standort: Am westlichen Ortsrand von Neunhof, in der "Kreuzäckerstraße".

Größe / Material: 154:120:37 / Sandstein

Geschichte: Wuchtiges Steinkreuz mit Christusfigur und erhabenen Rand, Inschrift: I N R I, mit Armstützen, im unteren Teil Bruchstelle, Rückseite glatt.

[...] Im gleichen Ort stoßen wir an der Dormitzer Straße auf ein weiteres Steinkreuz - wohl aus dem 16.Jahrhundert stammend - mit Armstützen und einem Christusrelief. (Schmeissner 1989)

   An der Straße von Neunhof nach Dormitz, ca. 500m vom Orte entfernt, ein Steinkreuz 150x120x37cm. Es ist eines der kunstgeschichtlich wertvollsten Denkmäler, hat starke Armstützen. Die Vorderseite zeigt plastisch eine Christus-Figur, der Kopf mit der Dornenkrone ist leicht auf den rechten Arm geneigt; darüber die Buchstaben: JNRJ. Die Zeit um 1500. (Zettler 1960)

Sage:

Quellen und Literatur:
Funk, Wilhelm - Sühnestein und Erinnerungsmal, in: Alte deutsche Rechtsmale - Sinnbilder und Zeugen deutscher Geschichte, 1940, S.80-86 und Abb.49
Zettler, Franz - Die Flurdenkmale des Stadt- und Landkreises Fürth, Mitteilungsblätter der Deutschen Steinkreuzforschung, Jahrgang 16, 1960, Heft 1/2, S.18, Nr.38
Schmeissner, Rainer H. - Einiges über Flurdenkmäler im Nürnberger Knoblauchsland, in: Steinkreuzforschung, Sammelband Nr.16 (NF 1), 1989, S.50-54
recherchiert und bebildert von Erich Sauer, Strullendorf (Foto vom 24.04.2009)


Sühnekreuze & Mordsteine