Deutschland Sachsen-Anhalt Altmarkkreis Salzwedel

Berge (I / II)
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Abb. bei
Walter Saal (1987)
nördliches Kreuz

südliches Kreuz

PLZ: 39638

GPS:

Standort: Im Kirchhof des Ortes in der Südostecke zwischen den Grabstellen der Pfarrer von Berge, der Pfarre und der Kirchhofsmauer.

Größe / Material: 67:37:18 / Sandstein (Kreuz im Vordergrund / nördliches)
54:41:31 / Sandstein (Kreuz an der Mauer / südliches)

Geschichte: Ein Kreuz soll früher vor dem Dorfe gestanden haben, eine Umsetzung auf den Kirchhof ist aber nirgends bezeugt, jedoch nicht auszuschließen. Bei den Kreuzen selbst kann wegen des Standortes der Verdacht auf Grabkreuze angenommen werden, was besonders für das südliche Kreuz mit dem im Querschnitt kreuzförmigen Schaft gilt, während das nördliche Kreuz in seiner Form sowohl Sühnekreuzen wie Grabkreuzen des späten 15. Jahrhunderts entspricht.

Sage: Über die beiden Steine berichtet die Sage, daß sie für die beiden Söhne des Ortsschulzen errichtet worden sind, die sich hier gegenseitig erschossen haben. Ein Edelmann, der sich in den Besitz des Schulzenhofes setzen wollte, hatte sie gegeneinander aufgehetzt und zum Zweikampf veranlaß, wobei er ihnen vorgemacht hatte, daß nur eine von den auszulösenden Pistolen geladen sein. Der Schulze selbst fiel durch einen Schuß des Edelmannes mit einer Windbüchse, wodurch der Hof an ihn gelangte. Nach einer älteren schriftlichen Fassung soll der Edelmann der General von Kannenberg auf Iden gewesen sein, doch macht diese Erzählung den Eindruck der schriftstellerischen Überarbeitung.

In Berge stehen in einem Winkel des Friedhofes, nahe der Pfarre, zwei Steinkreuze. Von ihnen wird berichtet, daß der Schulze von Berge sehr begütert war und daß dessen Landbesitz dem Edelmann des Dorfes in der Nase stak. Der Edelhof lag an der einen Seite des Kirchhofes, der Schulzenhof entgegengesetzt auf der anderen. Der alte Ortsschulze war noch kerngesund, er hatte zwei Söhne; an ein Aussterben des Geschlechts war daher für den Edelmann nicht zu denken. So versuchte dieser nun die beiden Söhne gegeneinander aufzuhetzen. Zu dem Jüngeren sagte er: "Du bist zwar der Jüngere, aber deshalb nicht schlechter wie Dein Bruder. Sollst Du nun deswegen auf Dein Erbteil verzichten und Dein Leben lang der Knecht Deines Bruders sein?" Dem Älteren gegenüber gebrauchte er folgende Worte: "Du bist zwar der Ältere und eigentlich Erbe, aber ich würde mir an Deiner Stelle nicht nachreden lassen aus Selbstsüchtigkeit Alleinerbe zu werden!" Mit diesen Worten erreichte er, daß sich beide einem Gottesurteil unterwarfen und zu diesem Zweck, nach dem Vorschlag des Edelmanns, einen Zweikampf durchführen wollten. - Der arglistige Edelmann zeigte ihnen zwei gleich aussehende Reiterpistolen, von denen nur eine geladen werden würde, so daß einer der beiden fallen mußte. Der Ritter hatte aber beide Pistolen geladen und als sich nun die Brüder auf dem Friedhof zum Kampf stellten, schössen sie auf den Zuruf des Edelmanns gleichzeitig los und fielen beide getroffen zu Boden. Nun hatte der Schulze keinen leiblichen Erben mehr und sein Besitz mußte nach seinem Tode an den Edelmann fallen. Aber der hatte kein Interesse noch Jahre zu warten. Wenige Monate nach dem Tod der Söhne fand man auch den Schulzen erschossen in seinem Zimmer. Es wurde zwar gemunkelt, daß der Edelmann mit einer Windbüchse von seinem Hof aus über den Friedhof hinweg geschossen habe, aber das war nicht zu beweisen und so künden nur die beiden Kreuze auf dem Friedhof von dem Tod der beiden Schulzensöhne.
Früher soll noch an der Kirche ein Grabstein gestanden haben, auf dem nur noch die Worte: "... ist erschossen worden." zu lesen waren. Der Edelmann soll der aus dem Dreißigjährigen Krieg berüchtigte General von Kannenberg gewesen sein, der auf dem Schulzenhofe 16 Kossätenstellen einrichten ließ. (Saal 1992)

Quellen und Literatur:
Saal, Walter - Steinkreuze und Kreuzsteine im Bezirk Magdeburg, 1987, S.16
Saal, Walter - Steinkreuzsagen aus Sachsen-Anhalt, 1992
Mittag, Lothar - Sagenhafte Steine, 2006, S.76


Sühnekreuze & Mordsteine