Deutschland Mecklenburg-Vorpommern Lkr. Rügen

Schaprode


ältere, undatierte Aufnahme

PLZ: 18569

GPS:

Standort: Am Ortseingang.

Größe / Material: 200:57:13 / Sandstein

Geschichte: Mordwange von 1368 zum Gedenken an den hier erschlagenen Ritter Reynwart von Platen und seiner Söhne.
Am Kopf des Steines sind zwei knaufartige Ansätze ("Ohren") ausgebildet. Man erkennt, dass der Kopf einst schräg abgebrochen war. Auf beiden Seiten des Hauptkörpers ist ein relativ großes Kruzifix eingelassen. Darunter ist auf der Vorderseite eine fünfzeilige, auf der Rückseite eine einzeilige Minuskelinschrift in vertieften Zeilen herausgearbeitet. Diese Beschriftung soll, da der Stein von 1368 stammt, die älteste Inschrift Rügens in Niederdeutsch sein. Unterhalb der Beschriftung war je ein schräg gestelltes Wappen angeordnet, die heute nicht mehr sichtbar sind.
Die übermannshohe Mordwange am Wegesrand bittete die Vorübergehenden um das Seelenheil der Opfer zu beten.

Vor dem Sühnestein steht eine Erläuterungstafel, die in drei Sprachen (deutsch, englisch und schwedisch) verfasst ist. Neben dem Text ist der Sühnestein in einer älteren Abbildung zu sehen. In dieser Abbildung ist der Stein unten durchgebrochen, wobei die Bruchkante quer durch das schräg gestellte Wappen verläuft. Offenbar wurde danach dieses abgebrochene Teil herausgenommen, umgedreht und wieder so eingebaut, dass dieses plattenförmige Teil nun als unmittelbare Verstärkung des Sühnesteines im Fundamentbereich dient. Das war um so mehr notwendig, da der Sühnestein an sich relativ dünn ist und zudem an einer verkehrsgefährdeten Stelle steht. Somit muß die Mordwange ursprünglich mindestens 2,50m hoch gewesen sein.
Die Erläuterungstafel - und die Pflege des Steines samt kleiner Blumenrabatte - wurde vor wenigen Jahren, etwa 2003, von der Europäischen Union im Rahmen des LEADER-Förderprogramms mitfinanziert.

Der Text auf der Erläuterungstafel:
Einer Kriminalstatistik des 16. Jh. zufolge wurden die meidten Gewaltverbrechen und Roheitsdelikte im gesamten Herzogtum Pommern auf der Insel Rügen begangen. Die Mörder wurden nach dem rügischen Landrecht durch den Landvogt abgeurteilt und auf einem der sechs durch Flurnamen überlieferten Galgenberge hingerichtet. Prominenten Mordopfern wurden zum Gedächtnis zuweilen übermannsgroße Steinplatten mit näheren Angaben zu den Todesumständen von den Hinterbliebenen oder auf Kosten des Mörders gestiftet.
1368 wurde der Knappe Reinwart von Platen in Schaprode aus unbekannten Gründen erschlagen. Zum Gedenken an die Bluttat wurde am Tatort die Mordwange errichtet. Die stark verwitterte Inschrift soll nach einer Lesart aussagen, daß der Vorübergehende einen Augenblick verweilen und Gott bitten möge, die Seele des Verstorbenen von der Pein des Fegefeuers freizumachen. Auf der Rückseite steht der Name des Toten. Die hochrechteckige Mordwange besteht aus Granit. Der obere Teil ist als Scheibe mit kleinen kreisrunden Ansätzen ausgeformt. In der oberen Hälfte befindet sich auf jeder Seite ein Kruzifix mit eingeritzter Binnenzeichnung. Darunter steht auf der Westseite eine fünfzeilige, auf der Ostseite eine einzeilige Minuskelinschrift in vertieften Bändern, unter denen noch die Umrisse schräg liegender Wappen andeutungsweise erkennbar sind.


Ein Fotovergleich des Sühnesteines mit einem Foto aus den 1930er Jahren zeigt, dass der Standort innerhalb von Schaprode verändert worden sein muß.

Sage: Die meisten Geschichten und Sagen bringen den mysteriösen Stein in Zusammenhang mit der Ur-Adelsfamilie von Platen.

Quellen und Literatur:
recherchiert und bebildert von Forschungsgruppe Preußische, Mecklenburgische und Anhaltische Meilensteine e.V.
Ostsee-Zeitung vom 08.08.2001



Rätsel um Schaproder Mordwange weiter ungelöst
Ostsee-Zeitung, 08.08.2001

Am Ortseingang von Schaprode steht unübersehbar ein uraltes steinernes Denkmal. Um seine Bedeutung ranken sich zahlreiche Geschichten und Sagen. Es ist eine so genannte Mordwange.

Bestehend aus Granit misst sie in der Höhe etwa 2,50 Meter. Der obere Teil ist als runde Scheibe gestaltet. In der oberen Hälfte wird auf jeder Seite in vertieftem Grund ein Kruzifix gezeigt. Darunter befindet sich auf der Westseite eine fünfzeilige und auf der Ostseite einzeilige Inschrift. Die Umrisse schräg liegender Wappen sind andeutungsweise erkennbar. Die Oberfläche ist so stark verwittert, dass die Inschriften nicht mehr zu entziffern sind.

Die meisten Geschichten und Sagen bringen den mysteriösen Stein in Zusammenhang mit der Ur-Adelsfamilie von Platen. Der bekannte Heimatforscher Carl Gustav von Platen erzählt in seiner Abhandlung "Das Steinkreutz vor Schaprode" wie folgt:

Die Mordwange in Schaprode, Aufnahme aus den 1930er Jahren.
Alle de hyr hinne gan, Ick bidde se eyn klene stan.
Und bidden godt in korter Tyd Make de sele pine gyud.
MCCCLXVIII.


Am Wegrand vor Schaprode, da steht ein grauer Stein,
Drin meißelt' man vor Zeiten der Platen Wappen ein.
Der Stein starrt stumm und schweigend, sechshundert Jahre lang,
Um ihn webt graue Kunde der Sage dicht Gerank.
Ein tief Geheimnis deckte, wer hier erschlagen lag,
Sechshundert Jahr vergingen, der graue Stein der sprach.

Und sprach, daß Ritter Reimar in Fehd' und blut'gem Streit
Vom Rosse sank – die Sühne im Tode ihm zur Seit'.
In seiner Sünden Blüte trat er vor Gottes Thron;
Kein Priester konnt' ihm geben davon Absolution.
Und wer den Ahn erschlagen? Der Gegner Namen nennt.
Nicht Urkund und nicht Sage, nicht Stein noch Pergament.

Die Kirchenglocken läuten weit durch die Sommerluft,
Gepanzert ruhn die Ritter in ihrer Väter Gruft;
Des Weihrauchs Duft umwogte das Wappen, schwarz umhüllt,
Des Stammes nächster Erbe ergriff den alten Schild.
Ein wundertätig Bildnis von unsrer lieben Fraun,
In der Schaproder Kirche war's im Gestühl zu schaun;

Der Prieser kniet und betet zur Himmelskönigin,
Daß sie in lichte Höhen nähm des Ritters Seel' dahin.
Auf Heimatgrund erschlagen des Stammes Blüte lag;
Die ,Teilung der Apostel', das war der schwarze Tag.
Manch Wandrer betet leise, wenn er des Weges geht,
Wo auf dem grauen Steine, das schlichte Sprüchlein steht.

Jene sagenhafte Geschichte kam nicht von ungefähr. Ihr Ursprung liegt in den Untersuchungen des Stettiner Kunsthistorikers Lemcke aus dem Jahre 1916. Dieser will, jene von Platen anfangs angeführten vier Zeilen, auf der Nordseite der Mordwange entziffert haben. "Alle, die hier vorübergehen, bitte ich, dass sie einen Augenblick verweilen und Gott bitten, dass er die Seele von der Strafe befreit" – so der ungefähre Wortlaut. Darunter angeblich die Jahreszahl "1368". Die Südseite des Steines trägt laut Lemcke die einzelne Inschrift: "Reynwart Plate" darunter das Platensche Wappen. Ritter Reimann von Platen soll hier 1368 zusammen mit seinen Söhnen erschlagen worden sein, Grund und Gegner waren nicht bekannt. Lemckes Deutungen werden jedoch angezweifelt, denn nach der Notiz seines Assistenten Stubenrauch war die Verwitterung des Steines damals genauso stark wie heute. Neben dieser Deutung jenes Steines gibt es weitere Sagen, die sich mit diesem beschäftigen.

Die Rede ist hier vom sogenannten "Mönchstein". Ältere Bewohner des Dorfes können sicherlich noch heute davon berichten.
(Quelle: Ostsee-Zeitung vom 08.08.2001)


Sühnekreuze & Mordsteine