Friedrich Mößinger


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Friedrich Mößinger

*  6.8.1898  in  Darmstadt
 15.9.1969  in Darmstadt

Lebensdaten: 1923Reallehrer in Gernsheim
1935neben der Arbeit an der Oberrealschule in Darmstadt Lehrauftrag an der pädagogischen Hochschule
1939Studium der Volkskunde, Kunstgeschichte und Germanistik in Frankfurt - unterbrochen durch Einberufung zum Kriegsdienst
ab1946Oberschullehrer am Realgymnasium Michelstadt
1962Pensionierung - eine baldige schwere Erkrankung, von der er sich nicht mehr erholte, ließ ihn an seinem Lebensabend nicht mehr zu größerer Veröffentlichungen und Zusammenfassung kleinerer Aufsätze kommen.

Hauptverdienste:

Friedrich Mößinger widmete sich allen Bereichen der Volks- und Heimatkunde - einschließlich der damit verbundenen Sagen, des Brauchtums und der verschiedensten Formen der Kleindenkmale wie Bildstöcke, Steinkreuze, Handwerkszeichen und steinerne Ruhebänke.
Sein räumlicher Schwerpunkt war der gesamte hessische Raum, zu dem früher auch Rheinhessen gehört hat. Er war Vorbild für eine ganze Generation von Heimatforschern, die auf seinen Forschungsergebnissen aufbauen konnten.


Publikationen: 1928Ein Steinkreuz bei Gernsheim.
Die alte Heimat. Mainz 1928. H.11,  S.178-180
1928Steinkreuze und Bildsteine. Volk und Scholle, Darmstadt 1928, H.8, S.246
1930 Alte Steinkreuze, in: Unsere Heimat, Dieburg 1930, Nr.12, Fortsetzung: 1931, Nr.1, Januar
1931Alte Steinkreuze, in: Heimatspiegel, Groß-Gerau 1931, Nr.31, 31.Juli
1932Das Kreuz am Siegfriedsbrunnen zu Gras-Ellenbach, in: Die Starkenburg. Heppenheim 1932, Nr.11/12, Abdr. in: Starkenburger Heimatblätter. Lampertheim 1933. Nr.22.
1933Steinkreuz bei Etzean, in: Die Heimat. Erbach 1933, Nr.9
1935Steinkreuze zwischen Rhein, Main und Neckar, in: Archiv für Hess. Geschichte u. Altertumskunde N.F. XIX, Darmstadt 1936. S.49-98
1937Von unseren ältesten Steinkreuzen, in: Das Steinkreuz, Lauf a.d.Pegnitz, Jahrgang 5 (1937) Heft 1/2, S.5-10
1939Das Hemmer Kreuz bei Fulda, in: Das Steinkreuz. Lauf/Pegnitz 1939, S.18-20, Friedens- und Grenzmal. Gotische Bildnischen
1950Zwei eigenartige rheinhessische Steinkreuze, in: Volk und Scholle, Darmstadt 1950. 22.Jg. H.5/6, S.76-78
1950Das Felsbild bei Hirschhorn und die Steinfigur bei Raibreitenbach, in: Die Starkenburg, Heft 3
1950Südhessische Sagen, in: Die Starkenburg, Heft 5
1951Odenwälder Zauberspiegel, in: Die Starkenburg, Heft 7
1954Die Römer im Odenwald, in: Die Starkenburg, Heft 13/14; 2.Aufl. 1967
1955Was uns der Odenwald erzählt, Bd. 3, Darmstadt 1955, (Reprint-Ausgabe Reichelsheim 1992)
1957Bergwerke und Eisenhämmer im Odenwald, in: Die Starkenburg, Heft 21/22
1961Odenwälder Handwerkszeichen, in: Schriften für Heimatkunde und Heimatpflege im Starkenburger Raum, Heppenheim 1961
1962Bildstöcke im Odenwald, Verl.d.Südhess.Post Heppenheim, 60 S.(Schriften für Heimatkunde und Heimatpflege im Starkenburger Raum. H.28 u. 29), Erw. Sonderdruck aus: Die Starkenburg. Heppenheim 1961
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1971Bibliographie von Gerda Möhler: Verzeichnis der Schriften von Friedrich Mößinger. Mainz 1971 (über 300 Titel, Zeitungsaufsätze nach 1945 sind nicht berücksichtigt).
1998Hessische Bräuche um Weihnachten, Ostern und Pfingsten • Ergebnisse aus den Feldforschungen von Friedrich Mößinger und Heinrich Winter, hrsg.: Hessische Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege, Reichelsheim 1998

Nachruf:
FRIEDRICH MÖSSINGER ZUM GEDÄCHTNIS

Mit Friedrich Mößinger, der am 15. September 1969 im Alter von 71 Jahren von uns gegangen ist, hat die Wissenschaft der deutschen Volkskunde einen schmerzlichen Verlust erlitten. Hatte sich Mößinger auch zeitlebens fast ausschließlich der Forschung in seiner engeren Heimat, dem Odenwald und seinen Grenzgebieten gewidmet, so wirkte doch sein Schaffen weit darüber hinaus, und immer wieder begegnet man seinem Namen und den Titeln seiner zahlreichen Veröffentlichungen im deutschen volkskundlichen Schrifttum.
Als Mößinger mit seinem Schaffen begann, waren ihm Anreger und Wegweiser, um nur einige zu nennen, im südwestdeutschen Raum besonders der Freiburger Elard Hugo Meyer, der Pfälzer Albert Becker und der Heidelberger Eugen Fehrle. Allenthalben im Bereich der volkskundlichen Arbeit war noch der Geist Wilhelm Heinrich Riehls lebendig, der in der Volkskunde ein Allumfassendes und im Volk noch die Gemeinschaft schlechthin sah. Die 1920er Jahre war noch die Zeit der nach Ländern und Landschaften gegliederten Volkskundebücher, wie sie etwa der Verlag Quelle & Meyer als Serie herausgebracht hat, schon aber schob sich mehr und mehr die Erarbeitung einzelner Sachgebiete in den Vordergrund. Allmählich löste sich die Gliederung nach Räumen auf, sie wurde ersetzt durch die stammeskundliche, die geschichtliche, die religiöse Volkskunde, durch die Erforschung und Untersuchung der Sachgüter und der Volkskunst. Diese Vereinzelung im Forschen brachte eine Verengung in der Zielsetzung mit sich und es mußte kommen, wie es kam. Die Nutznießer der Aufsplitterung wurden die Machthaber der 1930er und 1940er Jahre. Die Volkskunde wurde aus einer freien zu einer zweckgebundenen Wissenschaft. Sie hatte nun der "völkischen Forschung" zu dienen, und eine ihrer Hauptaufgaben wurde die Frage nach dem Symbolgehalt aller volkskundlichen Erscheinungen. Was nicht "germanisch" war, durfte nicht mehr sein. Kein Wunder, daß gerade die Volkskunde 1945 und danach als ein zwiespältiges Unterfangen angesehen und ihr vielfach der Rang einer eigenständigen Wissenschaft abgesprochen wurde. Bis zum heutigen Tag ist in der volkskundlichen Arbeit die Unsicherheit in Methodik und Zielsetzung noch nicht gewichen. Betrachtet man vor diesem Hintergrund, der sich zeitlich weitgehend mit den Schaffensjahren Mößingers deckt, Werken und Wirken des Verstorbenen, so fällt vor allem auf, daß er sich in all diesen Jahren seiner selbst sicher war und einen geraden Weg gegangen ist. Unermüdlich strebte er zum Ganzen, so oft er sich auch in Einzelforschung erging. Theoretisieren lag ihm nicht, er sah seine Aufgabe allzeit darin, das Volkstum seiner Heimat als ein Unteilbares zu begreifen und zu künden.
... Breit gefächert sind die Gebiete der Volks- und Heimatkunde, um deren Erforschung und Offenlegung sich Mößinger in über vier Jahrzehnten bis kurz vor seinem Tode gewidmet hat. Eine seiner ersten größeren Arbeiten war die Veröffentlichung über die "Steinkreuze zwischen Rhein, Main und Neckar" (1936), der er abschließend noch 1962 eine Betrachtung der "Bildstöcke im Odenwald" folgen ließ. In die Sachvolkskunde trat er ausführlich ein mit seinem Buch "Was uns der Odenwald erzählt" (1955), das ein lückenloses Bild vom Reichtum an volkskünstlerischem Schaffen im Hausbau, im Möbel, im Arbeitsgerät und im Beiwerk zum Brauchtum im Odenwald schenkt und das bald zur Urkunde werden wird, da der Zeitenwandel den Forschenden auf diesen Gebieten in kurzer Zeit das Stoffsammeln verwehren wird. Auf zahlreichen Wanderungen erschloß sich Mößinger die Spuren der Vor- und Frühgeschichte seines Arbeitsgebietes. So kündete er vom Wirken der Römer im Odenwald in einem Buch, das bereits in zweiter Auflage erschienen ist, und von den geheimnisvollen Steinbildern bei Hirschhorn und Rai-Breitenbach (1950).
Eine weitere gründliche Untersuchung widmete er der Geschichte der Aufbereitung von Erz und der Eisenhütten im Odenwald, die lange Zeit in der Wirtschaft dieses Gebietes eine große Rolle gespielt haben. Immer wieder mündeten alle diese Arbeiten in sein Hauptanliegen ein, das Volkstum der Heimat in seinem ganzen Reichtum aufzuzeigen. Es würde zu weit führen, hier noch näher einzugehen auf die Zahlreichen Aufsätze, die er im Laufe der Jahre in Zeitschriften, vor allem in den Hessischen Blättern für Volkskunde und in der von Heinrich Winter herausgegebenen "Starkenburg" veröffentlicht hat. ...
Doch nicht nur Wissen und Fleiß, klarer Blick und vollendete Formulierungen kennzeichnen Mößingers Schaffen und Wesen. Über allem stand ihm die Treue zu seinen Bekannten und Freunden, die Hilfsbereitschaft für alle, die seinen Rat und seine Mitarbeit suchten. Bis in seine letzten Lebensjahre war um ihn ein Kreis von Mitstrebenden versammelt, die voller Dankbarkeit in ihm den Meister sahen, und als in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg die Schriftleitung einer deutschsprachigen Wochenschrift in Paris Mößinger um seine Mitarbeit bat, war er es, der wiederum gern mithalf. Die Zeitschrift hatte es sich zur Aufgabe gestellt, in den deutschen Kriegsgefangenen und Zivilarbeitern in Frankreich nicht nur das Verständnis für die andere Umwelt zu wecken und zu fördern, sie sah ihre Hauptaufgabe darin, in ihnen die Fäden zur Heimat nicht reißen zu lassen, sondern fester zu knüpfen. Und Mößinger gab sich auch diesem Anruf mit ganzem Herzen hin, und eine Reihe von Aufsätzen hat dankbare Leser in der Ferne gefunden. ...
(Nachruf von Max Walter in: Der Odenwald, 16.Jg. H.4, 1969, S.112-115, gekürzt)



Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und Gewissen zuzsammengetragen. Keine Garantie auf Vollständigkeit.
(recherchiert von Rudolf Wild, Annweiler-Queichhambach,
Ergänzungen von Hans Joachim Büge)


Sühnekreuze & Mordsteine