Deutschland Baden-Württemberg Lkr. Schwäbisch Hall

Obersontheim (I)


die Nord-Seite

PLZ: 74423

GPS: N 49° 3,359', O 9° 54,524'

Standort: In Obersontheim in Richtung Craislheim/Frankenhardt und gleich nach Überqueren der Bühler rechts in die "Färbersteige" einbiegen. Am Ortsende (Ortstafel) an einer Weggabelung steht das Kreuz auf der linken (nördlichen) Straßenseite (nach Hellmannshofen) an einem Hang. Auf der rechten (südlichen) Straßenseite steht das Kreuz Obersontheim II.

Größe / Material: 98-109:124:22 / Sandstein

Geschichte: Das Kreuz wirkt unproportioniert, da der Schaft sehr kurz ist und Kopf und Arme nicht mittig auf dem Schaft aufsitzen. Der linke (westliche) Arm erscheint deshalb kürzer als der rechte Arm. Vom Kopf ausgehend gemessen sind beide Arme fast gleich lang (links 43cm, rechts 45cm). Im Vergleich zu den Frontflächen ist die Tiefe des Steins relativ dünn. In den oberen und unteren Armwinkeln sind um 2-10cm zurückgesetzte dreieckige Stützen. Das Kreuz wurde 1970 in einem Betonsockel neu aufgestellt und mit den Armen ungefähr in O-W-Richtung gesetzt, der sich jedoch mitsamt dem Kreuz zwischenzeitlich einseitig nach rechts (Osten) geneigt hat und im Westen zum Teil aus dem Boden ragt. Der Kopf und das rechte (östliche) Armende sind abgestoßen. Die Rückseite (Norden) ist infolge von flächigen Absplitterungen gegenüber der glatteren Schauseite recht uneben. Datierung: ca. 16.Jh. (Kraiss / Reuter / Losch 2001)

Beim Kreuz links (I) sind Kopf- und rechtes Armende sowie Rückseite leicht beschädigt. Kreuz I zeigt riesige Balken; Kopf in Höhe und Ansicht betont. Schaft noch breiter, außerdem nach links verschoben angesetzt. Deshalb differiert die ohnehin unterschiedliche Armlänge an Ober- und Unterkanten beträchtlich. In allen Winkeln einseitig oben 7-8cm, unten 3-5cm zurückgesetzte viertelkreisförmige Stützen. Beide Kreuze wurden 1970 neu aufgestellt. Datierung: ca. 16.Jh. (Losch 1981)

Sage: Auf der Anhöhe östlich vom Ort ist das "hohe Kreuz", ein stehendes und auf der anderen Seite des Wegs ein liegendes Kreuz. Diese sollen zum Andenken an Offiziere errichtet worden sein, welche im Dreißigjährigen Krieg fielen und beerdigt wurden. (Konferenzaufsatz Obersontheim 1900)

Quellen und Literatur:
Losch, Bernhard - Sühne und Gedenken. Steinkreuze in Baden-Württemberg, Stuttgart 1981
Kraiss, Eva Maria / Reuter, Marion / Losch, Bernhard - ...und erschlugen sich um ein Stücklein Brot - Sühnekreuze in den Landkreisen Schwäbisch Hall und Hohenlohe, Herausgeber: Isabella Fehle im Swiridoff Verlag, 2001
recherchiert von Peter Hartig, Kirchberg/Jagst (Fotos vom 13. August 2008)



Obersontheim (II)


die Ost-Seite

Abbildung bei
Losch (1981)

GPS: N 49° 3,344', O 9° 54,521'

Standort: Vom vorigen Steinkreuz aus auf der gegenüberliegenden Straßenseite

Größe / Material: 110:50:25 / Sandstein

Geschichte: Das Kreuz wurde 1970 neu aufgestellt und dabei mit den Armen genau in N-S-Richtung gesetzt. Allerdings fehlt der rechte (südliche) Arm fast ganz und vom linken Arm ist ein etwas größerer Stummel vorhanden. Der Kopf ist hoch und an den Ecken abgerundet, der Schaft lang, wobei Kopf und Schaft zueinander ausgeglichen wirken. Alle Kanten des Kreuzes sind undeutlich gefast. Die Schauseite (Westen) zeigt löchrige Auswaschungen, die Rückseite dagegen ist relativ glatt.
Bei diesem Kreuz handelt es sich vermutlich um das Sühnekreuz aus dem Obersontheimer Totschlag-Sühnevertrag von 1448. Datierung: ca. 15.Jh. (Kraiss / Reuter / Losch 2001)

Bei Kreuz II ist der eine Arm fast ganz, der andere zum Teil abgebrochen; die Kanten sind stark gerundet. Kreuz II zeigt ebenfalls hohen Kopf (betont durch die fehlenden Arme); die Proportionen aber sind ausgeglichen. Beide Kreuze wurden1970 neu aufgestellt. Datierung: ca. 15.Jh.
Bei Kreuz II handelt es sich vermutlich um das Sühnekreuz aus dem Obersontheimer Totschlag-Sühnevertrag von 1448. Im Kreisgebiet ist ein Sühnevertrag erhalten geblieben, in dem sich die übliche Praxis des Totschlagvergleichs niederschlug. Der genauen Beschreibung und Interpretation des Vertrags durch Kuno Ulshöfer kann entnommen werden, daß Seitz Künlin 1448 in Obersontheim den Dorfbewohner Hans Leydig umgebracht hatte. Dieser hinterließ drei unversorgte unmündige Töchter mit Namen Mergelin, Kätterlin und Elslin. Vormund war der Bruder ihres Vaters, Burkhard Leydig, der im benachbarten Hausen wohnte und zusammen mit weiteren Verwandten für die Mädchen den Sühnevertrag vereinbarte. Als erste geistliche Buße mußte Seitz Künlin "zum Lobe Gottes und zur Hilfe und zum Trost der Seele des armen Toten" ein "steynin crutze" nach den Angaben der Gegenpartei in Obersontheim setzen lassen. Dieses Kreuz ist vermutlich heute noch erhalten. Der Täter mußte zum andern entweder selbst oder vertreten durch eine ehrbare Person zwei Wallfahrten unternehmen, die erste "von hause aus zu unserer lieben Frauen gen Ache und zu dem ferren Santjos s, die beyde uff einer fahrte". Die zweite führte "zu unserer lieben Frauen zu den Eynsideln". Außerdem hatte der Täter zwölf Priester zu bestellen, "die der seele zu tröste halten sullen nemlich vier gesungen messe und acht gesprochen messe". Fünfzig Männer mußten während der Messen, jeder mit einer einpfündigen Kerze in der Hand, über das Grab des Erschlagenen gehen. Das nicht verbrauchte Kerzenwachs und die übrigen Kerzen sollten die Verwandten der Kinder an sich nehmen und zum Seelenheil des Erschlagenen verwenden. "Zu besserunge und für ihren (der Kinder) schaden" mußte der Täter 150 Gulden in zwei Teilbeträgen zahlen. Als Sicherung setzte er seine drei Güter in Obersontheim ein, darüber hinaus verbürgte sich sein Schwiegervater in Obersontheim für die Schuld. In einem Reversbrief von selten der Hinterbliebenen, der dieselben Bestimmungen enthält, wurde der Totschlag als gesühnt und geschlichtet erklärt. (Losch 1981)

Sage:

Quellen und Literatur:
Rücklin, Gertrud - Religiöses Volksleben des ausgehenden Mittelalters in den Reichsstädten Hall und Heilbronn, Berlin 1933 (Historische Studien 226), S.122
Ulshöfer, Kuno - Die Totschlagsühnen des Limpurgischen Vogts Seitz Künlin zu Obersontheim, in: Der Haalquell. Blätter für Heimatkunde des Haller Landes 21,1969, Nr.1, 2
Ulshöfer, Kuno - Die Totschlagsühnen des limpurgischen Vogts Seitz Künlin zu Obersontheim / "Urkundenanhang" - die Sühneurkunden, in: Das Kleindenkmal 4,1980, Nr.11
Losch, Bernhard - Steinkreuze in Südwestdeutschland, 1968, S.64
Losch, Bernhard - Sühne und Gedenken. Steinkreuze in Baden-Württemberg, Stuttgart 1981
Kraiss, Eva Maria / Reuter, Marion / Losch, Bernhard - ...und erschlugen sich um ein Stücklein Brot - Sühnekreuze in den Landkreisen Schwäbisch Hall und Hohenlohe, Herausgeber: Isabella Fehle im Swiridoff Verlag, 2001
recherchiert von Peter Hartig, Kirchberg/Jagst (Fotos vom 13. August 2008)


Sühnekreuze & Mordsteine