Deutschland Baden-Württemberg Lkr. Schwäbisch Hall

Hilgartshausen (I) / OT von Rot am See


die andere Seite

Abbildung bei
Losch (1981)

PLZ: 74585

GPS: N 49° 16,044', O 10° 3,496'

Standort: Von Rot am See kommend unmittelbar vor Hilgartshausen hinter der Brücke über den Wiesenbach nach links abbiegen in Richtung Engelhardshausen. Das Kreuz ist nach 380m links in der Wiese in einer kleinen Grünanlage mit Teich zu finden.

Größe / Material: 73:60:17 / Muschelkalk

Geschichte: Das Kreuz zeigt eine ausgeglichene Form. Die Arme weisen ziemlich genau in O-W-Richtung und sind am Ende abgestoßen. Der linke (östliche) Arm ist etwas höher angesetzt als der rechte. Im Kopfbereich befindet sich an der westlichen Oberkante eine kleine Absplitterung entlang einer Schichtfuge im Gestein. Gegenüber der Literatur steht das Kreuz aktuell 12cm tiefer in der Erde, wobei nicht klar erkennbar ist, ob das Kreuz abgesunken ist, oder, was eher anzunehmen ist, beim Anlegen des Teichs in neuerer Zeit der Schaft mit Aushub angefüllt wurde.
Auf der Nordseite ist im Kreuzungsbereich eine Inschrift eingehauen:
LUDWIG SCH[...]
ZU BRÜCHLING
1677
Der Nachname wurde schon gelesen als: "SCHNE", "SCHILL[...], "SCHID", meistens als "SCHIED", der Ortsname auch als "BRUCHLING" und "BRÜCHLING". - Eintrag im Kirchenbuch von Billingsbach: "Anno 1677, den 18. Oktober, ist Ludwig Schneider von Brüchlingen nach Mußdorf gegangen auf den Markt und von dort nach Hilkertshausen ... von einem Mörder abwärts geführt und erschlagen worden." Datierung: 17.Jh. (Kraiss / Reuter / Losch 2001)

[...] Undeutlich zu lesen ist die Inschrift auf dem Kreuz bei Hilgartshausen: "Ludwig Schne... zu Brüheling... 1677". [...]
   In dem Wiesengrund zwischen Brettheim und Hilgartshausen, der auch eine Art "Kreuzacker" gleich dem bei Heilbronn a.R. und Reicholzheim in Baden gewesen zu sein scheint, stehen heute noch 4 Kreuze, alle ohne Zeichen. In den Maßen stimmen sie nach Flecks gepfl. Mitteilung fast ganz miteinander überein: Höhe 0,86m, Breite 0,60m, Dicke 0,17m. Die Form ist rechtwinklig, Kopfstück und Querarm sind gleich lang. 1 am Weg nach Eckartshausen am Anfang des Brettachtals. (Nägele 1913)

Sage: Dort soll vor langer Zeit jemand umgebracht worden sein.

Quellen und Literatur:
Nägele, Anton - Über Kreuzsteine in Württemberg und ihre Bedeutung, in: Württemberisches Jahrbuch für Statistik 1913, S.381b, 390a, 395b, 420a
Losch, Bernhard - Steinkreuze in Südwestdeutschland, 1968, S.56
Losch, Bernhard - Sühne und Gedenken. Steinkreuze in Baden-Württemberg, Stuttgart 1981
Kraiss, Eva Maria / Reuter, Marion / Losch, Bernhard - ...und erschlugen sich um ein Stücklein Brot - Sühnekreuze in den Landkreisen Schwäbisch Hall und Hohenlohe, Herausgeber: Isabella Fehle im Swiridoff Verlag, 2001
recherchiert und bebildert von Peter Hartig, Kirchberg/Jagst (Fotos vom 23. Juli 2008)



Hilgartshausen (II) / OT von Rot am See


die Nachbildung am
neuen Standort

die Südwestseite

Zustand 1959
veröffentlicht bei
Losch (1981)

GPS: N 49° 16,005', O 10° 4,900'

Standort: Von der L 1040 in Hilgartshausen nach Südwesten in Richtung Kühnhard abbiegen. Am Ortsende nach links auf die Straße entlang der Brettach abzweigen und hier knapp 600m nach Osten bis zur Einmündung des Schlösslesbachs in die Brettach. Das Kreuz steht neben einer Bank und unter Birken auf der linken Seite der Brettach auf einer Geländeauffüllung.

Größe / Material: 84:68:18 / Muschelkalk (Nachbildung)

Geschichte: Dass es sich bei dem Kreuz um eine Nachbildung handelt, wird durch den guten Zustand (speziell allseits scharfe Kanten) bestätigt. - Auf dem Bild, welches die Nachbildung am neuen Standort zeigt, erkennt man rechts, jenseits der Brücke über den Schlösslesbach, die Wiese wo das Original-Steinkreuz stand. - Auf dem Foto der Südwestseite ist im Hintergrund die Kirche von Brettheim zu sehen, also nicht Hilgartshausen. (Hartig 07/2008)

Beim Vergleich der Maße stimmten diese mit den Angaben in der Literatur überhaupt nicht überein (Lit.: 60:58:18 / Kalkstein). Möglicherweise wurden hier die Maße des ursprünglichen Kreuzes angegeben. Dieses stark beschädigte Original ist aber nicht mehr vorhanden, sondern wurde durch ein neues Kreuz ersetzt, wobei der historische Standort im Zwickel von Brettach und Schlösslesbach ("Ried") zugunsten des landwirtschaftliche Arbeiten weniger beeinträchtigenden Standorts aufgegeben wurde.
Das Kreuz fällt durch seine gleichmäßige Form und einen sehr guten Erhaltungszustand auf. Die Arme sind nach NW-SO ausgerichtet. Da und dort ist das Material löchrig ausgewittert und trägt überall regelmäßige Bearbeitungsspuren. Eine Spalte in einer Ecke des Kopfs ist nur oberflächlich und reicht nicht tiefer. Datierung: Original 15./17.Jh.; Nachbildung um 1965. (Kraiss / Reuter / Losch 2001)

Links am Schlößlesbach, ca. 1,2km südlich vom Ort. Das Kreuz lag jahrelang am Bachrand, wurde aber nach der Flurbereinigung etwa 1965 gegenüber dem früheren Standort neu aufgestellt. Maße: H 60, B 58, T 18, Kalkstein. Löcherig verwittert. Am Kopfende kleine Beschädigung. Tief im Boden in einen Betonsockel eingelassen. Form: Ausgeglichen, Balken knapp gehalten. Datierung: ca. 15./17.Jh. (Losch 1981)

Ein Oberamtmann und ein Forstmeister übertrugen um den Jahrhundertbeginn die Sage über ein Steinkreuz bei Hilgartshausen Gemeinde Brettheim Krs. Crailsheim in eine lange Reihe von Strophen, und in den zwanziger Jahren wurde das Gedicht auf einem Dorffest vorgetragen: "... Drum spricht der Kreuzstein weiter: 'Nicht selber räch Dein Leid! - Der Herr wird Rache üben, der Herr zu seiner Zeit'". (Losch 1968)

Sage: 1. In der Christnacht sehe man im Brettheimer Ried zwei Lichter bei einem Kreuzstein, wo sich einmal zwei Schäfer erschlagen hätten. Diese bewegtensich immer gegen das Dorf und entfernten sich wieder.
2. Um den Jahrhundertbeginn des 20.Jahrhunderts wurde die Sage vom schlecht behandelten Knecht, der auf Kriegszügen wieder vorbeikommend, seinen ehemaligen Herrn erstach oder erschlug - woran das Steinkreuz erinnern soll -, in eine lange Reihe von Versen gesetzt. Dieses Gedicht wurde in mehreren Abwandlungen verbreitet.

Quellen und Literatur:
Nägele, Anton - Über Kreuzsteine in Württemberg und ihre Bedeutung, in: Württemberisches Jahrbuch für Statistik 1913, S.381b, 390a, 395b, 420a
Der Frankenspiegel, Nr.8, Juni 1956
Losch, Bernhard - Steinkreuze in Südwestdeutschland, 1968, S.56, 128
Losch, Bernhard - Sühne und Gedenken. Steinkreuze in Baden-Württemberg, Stuttgart 1981
Kraiss, Eva Maria / Reuter, Marion / Losch, Bernhard - ...und erschlugen sich um ein Stücklein Brot - Sühnekreuze in den Landkreisen Schwäbisch Hall und Hohenlohe, Herausgeber: Isabella Fehle im Swiridoff Verlag, 2001
Befragung zweier älterer Mitarbeiter des Wasserverbands Brettach, Sitz Rot am See
recherchiert und bebildert von Peter Hartig, Kirchberg/Jagst (Fotos vom 23. Juli 2008)


Sühnekreuze & Mordsteine