Deutschland
Sachsen-Anhalt
Kreisfreie Stadt Halle
Halle
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Blick zum Standort |
PLZ:
06108
GPS:
Standort:
Am Universitätsring.
Größe / Material:
Geschichte:
Betsäule. Der jetzige Standort ist nicht der ursprüngliche. Am ursprünglichen
Aufstellungsort soll wohl eine Gerichtsstätte gewesen sein und an einer Stelle lasen wir, dass es sein könnte, dass die zum Tode Verurteilen dort ihr letztes Gebet
gesprochen haben.
Wie sehr die Verankerung von Kleindenkmalen im Bewußtsein der Bevölkerung ihrem Schutz dient, soll am Beispiel der gotischen Betsäule, in Halle unter dem
Namen "Pestsäule" bekannt, dargestellt werden. Sie wurde nach einer schweren Pestepidemie im Auftrag
des Erzbischofs Friedrich III. im Jahre 1455 errichtet. Sie stand am Weg von Halle nach Leipzig am hallischen Galgen vor dem Leipziger Tor (Gebiet des heutigen
Riebeckplatzes). Unverändert hat sie dort ihren Platz über die Jahrhunderte bis zum Jahr 1928 beibehalten. Dann mußte sie dem verkehrsgerechten Umbau des Platzes
weichen und wurde am Franckeplatz wieder aufgebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie durch Brandbomben und Granatsplitter beschädigt. Trotz schwieriger Zeit wurde
1950 die Restaurierung durch den Magistrat der Stadt veranlaßt. Am Franckeplatz blieb sie nur bis zum Jahre 1969 stehen, weil die Schnellstraße nach Halle-Neustadt
den Standort beanspruchte. Da nach der Demontage kein geeigneter Standort gefunden wurde, lagerte man sie in aller Stille in der Moritzkirche ein. Das löste bereits
besorgte Leserbriefe an eine hallische Zeitung aus. Auch die zunehmende Luftverschmutzung, die Spuren am Sandstein des Denkmals hinterließ, bewegte die Einwohner,
wie ein Brief an die Stadtverwaltung zeigt. Der hallische Maler und Grafiker Kurt Mahrholz machte damals den Vorschlag, eine Kopie anzufertigen und anstelle des
Originals aufzustellen. Das Original sollte geschützt und öffentlich zugänglich in einem Museum o.ä. bleiben. Der Wiederaufbau am Universitätsring wurde Ende 1972
dann zu einem lokalen Ereignis, über das die hallischen Zeitungen berichteten. (Wemhöner 2004)
Sage:
Quellen und Literatur:
• Schönermark, Gustav - Die Betsäule, in: Beschreibende Darstellung der älteren Bau-und Kunstdenkmäler der Stadt Halle und des Saalkreises, Halle a.d. Saale 1886, S.294-296
• Wemhöner, Bodo - Kleindenkmale im Stadtkreis Halle und im Saalkreis - eine Bestandsaufnahme, in: Archäologie in Sachsen Anhalt, Band 2/2004
• recherchiert und bebildert von Ute Fuhrmann / Rainer Vogt, Aug. 2007
Die Betsäule
Gustav Schönermark
Auf der örtlichen Seite des Leipziger Platzes ragt aus Buschwerksanlagen ein steinernes Mal empor, welches sowohl durch
Geftalt und Schmuck als auch durch eine Inschrift seine nicht profane Bestimmung kund thut. Fig. 113 und 114.
Ueber einer nicht hohen, oben etwas abgeschrägten, quadratischen Sockelplatte bauen sich mehrere, im Grundriß quadratifche Quadern mit
starker Verjüngung nach oben auf, um hier einen Stein aufzunehmen, der von der oberen Stärke des letzten Quaders sich nach Norden und Süden durch einen
Viertelbogen mit einer gothischen Nase verbreitert und an den Kanten schwach gekehlte, an dem pyramidalen Unterbau lang auslaufende Fasen hat. Dieser Stein trägt
einen viereckigen anderen von etwas geringerer Stärke aber gleicher Breite und von einer etwas größeren Höhe als Breite. Die plattenähnliche Gestalt dieses letzten
Steines wird auf ihren gegen Westen und Osten gerichteten Breitseiten von je einem reliefirten Bildwerke gechmückt, zu deren würdiger Aufstellung dieses Monument
überhaupt dienen foll. Als Abschlufs des Ganzen läuft zunächst ein Sims, aus Hohlkehle mit zwei schrägen Plättchen gebildet ringsum, über welches sich dann als
Krone ein Maaßwerksgebilde setzt. Die Kleeblattbögen des letzteren, die nach unten zu geschlagen sind, also ihre Schenkel emporstrecken, stehen gewissermaaßen
auf dem Kopfe und sehen daher abenteuerlich genug aus, wie überhaupt an diefem Werke die mittelalterliche Wunderbarkeit so recht zu sichtbarem Ausdrucke kommt.
Das Reliefbild zeigt inmitten einen Crucifixus - ein egyptifches Kreuz, wie gewöhnlich im späten
Mittelalter, - zu dessen rechter Seite (also links vom Beschauer) Maria mit über den Kopf gehendem Mantel in einem
faltenreichen Kleide steht, während sich auf der anderen Seite die etwas lange Gestalt des lockigen Johannes befindet.
Unten am Kreuze kniet Maria Magdalena und umfaßt den Kreuzesstamm. Auf dem Steine unter dem Bilde lesen wir in
Minuskeln:
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Das Relief der gegen Osten gerichteten Rückseite stellt den kreuztragenden Chriftus dar, dem ein Kriegsknecht voraufgeht,
während ihm drei Frauen (die drei Marien?) und ein Mann (Johannes?) folgen.
Eine künstlerisch sich auszeichnende Leistung liegt uns in dem Werke, das, wie gesagt, die Kennzeichen seiner Zeit hat, nicht vor; den Stil
zu besprechen müssen wir Abstand nehmen, weil es augenfällig ist, daß eine 1840 städtischerseits vorgenommene Renovation sich namentlich auch auf den figuralen
Theil (durch Abscharriren) erftreckt hat.
Wir haben noch auf einen besonderen Punkt aufmerksam zu machen. Auf jeder der beiden Schmalseiten des reliefirten Steines ist über der
Mitte ein eiserner Haken eingebleit, der indessen nicht zum Aufhängen eines Gegenstandes gedient haben kann, weil seine Spitze sich abwärts biegt. Haben diese
beiden Haken bereits seit 1455 hier gesessen? Vielleicht; doch, da sie in diesem Falle stärker verrostet sein würden, müssten sie inzwischen einmal erneuert worden
sein, wozu für die letzten Jahrhunderte ein Grund kaum vorliegt; länger als seit 1840 befinden sie sich jedenfalls an ihrem Platze, wie das aus einer Zeichnung des
Monumentes von dem Baumeister Stapel hervorgeht. Wann also sind sie eingesetzt und überhaupt zu welchem Zwecke? Ich muß die Frage unbeantwortet lassen.
Schließlich ist noch zu bemerken, daß einige Schritte in südweftlicher Richtung von dem Monumente ein das hallesche Stadtwappen
tragender (Grenz-?) Stein steht, der dem Stile nach mit dem Monumente gleichzeitig entslanden ist.
Wir haben dieses (Denk-)Mal nach der allgemein üblichen Weise als Betsäule bezeichnet,
wiewohl ja weder eine Säulenform vorhanden ist, noch feststeht, ob es ursprünglich als Betsäule d.h. als eine auf den kleinften Raum reducirte Kapelle zum Gebet
für Jedermann gedient hat. Immerhin ist thatsächlich, wie Inschrift und Bild nicht zweifelhaft lassen, hier gebetet worden,
und es fragt sich nur von wem, wann und unter welchen Umständen. Da hier vor dem alten "Galgthore" seit vielen Jahrhunderten der Galgen gestanden hat, so wird
angenommen, die Verurtheilten hätten an dieser Stelle ihr letztes Gebet verrichten können. Diese Erklärung hat für mich besonders des nahestehenden Grenzsteines
wegen ausserordentlich viel Wahrscheinliches, da jedoch ihre Richtigkeit nicht zu beweisen ist, so kann ich nicht umhin, auch noch darauf aufmerksam zu machen,
daß Olearius zu dem Jahre 1516 folgende Bemerkung macht: "Nachdem eine Gewohnheit gewesen, daß man das Evangelium auff St. Marcs Tage vorm Ranischen
Thore gelesen, so hat der Rath zur Andacht ein Crucifix mit zwey Bildern des Orts setzen lassen." Könnte nun nicht auch aus Anlaß einer ähnlichen, unbekannt
gebliebenen "Gewohnheit" diefes Reliefbild errichtet worden sein?
(Schönermark, Gustav - Beschreibende Darstellung der älteren Bau-und Kunstdenkmäler der Stadt Halle und des Saalkreises, Halle a.d. Saale 1886, S.294-296)